Ein Menschenleben für 20 Cent
Bildschirmarbeiter vom 25.09.2009 18:54Wenn man Menschen auf der Straße fragt, was typisch deutsch ist, so sind die häufigsten Antworten: Fleiß, Gründlichkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Kompetenz, Verantwortungsgefühl und Hilfsbereitschaft.
Hilfsbereitschaft? Ja. Eigentlich schon. Aber auch nur eigentlich...Kostprobe?
"15-Jährige schlagen Rentner in U-Bahn nieder"
"Hamburger Teenager töten Mann wegen 20 Cent"
"Unbekannter schlägt 43-Jährigen zusammen"
"Fünf Männer treten wehrlosen Fahrgast 40 Mal gegen Kopf"
"Zivilcourage mit Leben bezahlt"
Na? Was gemerkt?
Bei solchen Überschriften stellt sich mir doch die Frage: In was für einer Welt leben wir eigentlich?!
Wie kann es sein, dass die Menschen, die sich zu Zivilcourage durchringen, so bestraft werden und die Täter als "eigentlich ganz liebe Jungen" beschrieben werde, die auf die "schiefe Bahn geraten" sind?
Die Gründe für´s "auf die schiefe Bahn" geraten, sind sicher vielfältig...es fängt an bei nicht ausreichender Freizeitbeschäftigung, Ignoranz in der Familie und im Freundeskreis, Naivität und natürlich nicht zuletzt Ungerechtigkeit und daraus entstehende Wut, die sich irgendwann in abgrundtiefen Hass verwandelt. Diese Aufzählung ist natürlich nicht vollständig!!!
Doch anstatt dem ganzen Einhalt zu gebieten, diskutiert man Möglichkeiten, die Täter schneller zu identifizieren, wenn man die Tat denn mal auf Video ausgewertet hat. Wäre es nicht sinnvoller, dem ganzen vorzubeugen? Sollte nicht mehr für Jugendliche aus Problembereichen getan werden, um sie vor dem abdriften zu schützen? Wo die Politik uns doch immer sagt, dass die Jugend die Zukunft ist?
Noch ein kleiner Exkurs: Zivilcourage; setzt sich aus den beiden Wörtern zivil (lateinisch civilis, 1. bürgerlich – nicht militärisch, 2. anständig, annehmbar) und courage (französisch „Mut“) zusammen.
Möchte noch jemand wissenschaftliche Befunde zu sogenannten Heldentaten, die, allem Anschein nach, jeden Tag auf Deutschland Bahnhöfen unentdeckt bleiben? Gerne!
Zusammenfassend aus verschiedenen Studien ist zu sagen:
Männer zeigen eher Heldenhaftes Verhalten, wenn das Risiko, dabei verletzt zu werden, besonders hoch ist. Allerdings nur wann? Genau. Wenn Anerkennung für diese „Heldentat“ zu erwarten ist.
Frauen sind ebenso heldenhaft, jedoch, nicht zuletzt aufgrund der körperlichen Konstitution, in weniger gefährlichen Situationen. Dafür legen diese auch weniger Wert auf Anerkennung und Lob!
(Genauere Zahlen liefere ich bei Bedarf gerne nach!)
Wie wäre es also, einen Anreiz für Zivilcourage zu liefern? Ist unsere Gesellschaft so verwöhnt, dass die Anerkennung, die man bekommt, wenn man ein paar Kinder beschützt, nicht mehr genug ist? Oder sind wir einfach zu egoistisch geworden und denken einfach nur an uns, egal was mit dem Menschen neben uns passiert?
Fakt ist:
Das alte Sprichwort „Wer am Boden liegt, ist geschlagen, und auf den sollte nicht mehr eingetreten werden“, wird leider auf grausame Art verfremdet. Die neue Version: „Wer am Boden liegt, wird getreten.“
Ich bin fassungslos und bitte um mehr…Zivilcourage!!!
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