SPECIAL! Die "Harry-Potter"-Verfilmungen

EvilSeverus vom 01.07.2009 17:15
2 Wochen vor Kinostart des neuen "Harry Potter" ist es für mich als langjährigen Potterianer praktisch Pflicht in meinen folgenden Reviews die Vorgänger der Verfilmungsserie vorzustellen:

HARRY POTTER UND DER STEIN DER WEISEN


Story:
Harry Potter (Daniel Radcliffe) wächst in Obhut seiner Verwandten auf, die ihn zu jeder passenden Gelegenheit aufs Schlimmste peinigen, da dieser Potter etwas "Eigenartiges" an sich hat. Schließlich bekommt er zu einem 11. Geburtstag einen Brief in dem steht er sei ein Zauberer, der nun die Magierschule Hogwarts besuchen soll. Von der Panik vor den "Abnormalen" gepackt will ihn sein Onkel (Richard Griffiths) davon abhalten zur Schule zu gehen. Nach etlichen, radikalen Versuchen Harry außer Reichweite der Zauberer zu bringen fällt der Halbriese Hagrid (Robbie Coltrane) in der Nacht von Harrys Geburtstag wahrlich mit der Tür ins Haus, um Harry in seine rechtmäßige Welt zu führen und ihm die Wahrheit über sein Waisendasein zu erzählen. Harrys Eltern starben, anders als von den Adoptiveltern behauptet, nämlich nicht bei einen Unfall, sondern sie wurden von Lord Voldemort, dem mächtigsten Schwarzmagier aller Zeiten, hingerichtet. Als dieser Harry töten wollte ging das allerdings daneben und er wurde von seinem eigenen Zauberspruch aus seinem Körper gerissen und spukt seitdem als Schattengestalt durch die Welt. In Hogwarts trifft Harry das erste Mal auf echte Freunde in Form von Hermine Granger (herrlich nervig; Emma Watson) und Ron Weasley (Rupert Grint), aber auch auf Feinde wie etwa den arroganten Aristokratensohn Draco Malfoy (Tom Falton).
Doch kaum im Schloss angekommen brauen sich dunkle Wolken in der Welt der Magier zusammen. Es heißt Lord Voldemort sei auf der Suche nach dem Stein der Weisen, der die Unsterblichkeit verleiht und dem geisterhaften Meister der Schwarzen Magie helfen könnte seinen Körper wieder zu manifestieren.
Harry, Ron und Hermine wittern die Gefahr und machen sich auf die Suche nach dem Stein der Weisen, der irgendwo im Schloss versteckt sein soll. Doch wem können sie trauen? Und warum legt ihnen der zwielichtige Zaubertranklehrer Severus Snape (wunderbar fies; Alan Rickman) ständig Steine in den Weg?

Kritik:
Basierend auf der berühmten und kontrovers diskutierten Fantasy-Saga von Joanne K. Rowling zauberte Warner Bros. 2001 die Verfilmung des 1. Bandes auf die Leinwand. Und es klang alles so viel versprechend: Produziert wurde von David Heyman ("I am Legend"), am Drehbuch saß Steve Kloves und Regie führte Chris Columbus ("Kevin allein zu Haus"). Hinzu kam ein bis zur kleinsten Nebenrolle prominent besetzter, zu 100 Prozent britischer Cast. (U.a. Richard Harris, Alan Rickman, Maggie Smith, Richard Griffiths, Fiona Shaw, Robbie Coltrane, Ian Hart)
Für die Verfilmung der Potter-Saga wurde eigens ein riesiges Studiogelände errichtet auf dem sich bis heute eine fast 1000 Mann starke Belegschaft tummelt. Als Effektstudio wurde George Lucas’ Firma Industrial Light and Magic (ILM) verpflichtet.
(Interessantes Detail am Rande: Peter Schaffner wollte ursprünglich zur selben Zeit "Harry Potter" als Bühnenmusical produzieren, doch Warner Bros. schnappte ihm die sündhaft teuere Lizenz vor der Nase weg.)

Doch all die großen Namen nützen am Ende wenig, denn Chris Columbus inszenierte die Geschichte so buchstabengetreu und sklavisch-verkrampft, dass einem als Fan des Romans oft die Freude am Film vergeht. Sicher, anders als spätere Teile der Saga lässt der "Stein der Weisen" wenig Interpretationsraum, doch merkt man dem Streifen deutlich die Angst des Regisseurs an von der Autorin, ganz zu schweigen vom Fandom, in der Luft zerrissen zu werden. Schließlich sind Fans immer noch die härtesten aller Kritiker.
Da stört es noch nicht einmal so sehr, dass Columbus das Potterverse in einen klebrig-kitschigen bonbonfarbenen Look verpackt hat. Auch, dass es Columbus offensichtlich nicht fertig brachte die zahlreichen Jungschauspieler zu guten Leistungen zu treiben sei verziehen, da der "Stein der Weisen" für viele der Kinderdarsteller einer der ersten richtig großen Produktionen war. Doch wirkt vieles dadurch hölzern und unsagbar steif. Auch die oft mäßigen CGI-Effekte (Stichworte: Troll und Firenze) trüben das Gesamtbild ebenso wie das übertriebene, zuckersüße Happy End.
Hinzu kommt der Score von John Williams, der, wenn er sich nicht gerade im Zuckerguss ertränkt, gerade in wenigen Actionsequenzen doch oft in einen einzigen Orchesterkrach ausartet. Einzig das Titelthema ist zeitlos.

Insgesamt bietet der "Stein der Weisen" eine menge verschenktes Potential, welches zu allem Überfluss immer wieder gern im rosaroten Plüsch versinkt. Auch, wenn die Romanvorlage von J.K. Rowling als Kinderbuch ausgelegt war so war sie im Grundgedanken dennoch eine düstere Krimigeschichte. Und gerade die düster-gruseligen Momente des Buches schafft Columbus einfach nicht ordentlich rüberzubringen. Auch sind die humoristischen Stellen oft recht klamaukig geraten und auf ein sehr junges Publikum zugeschnitten.
So bleibt der Film leider in der Mittelmäßigkeit hängen und schafft es nicht richtiges Potterfeeling aufkommen zu lassen.

5/10 Trollpopel

Quelle: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=399269504&blogId=472177279



HARRY POTTER UND DIE KAMMER DES SCHRECKENS


Story:
Für Harry (Daniel Radcliffe) steht das 2. Jahr in Hogwarts vor der Tür, doch bereits vor seiner Ankunft dort zeichnen sich dunkle Wolken am Himmel ab. Am Abend vor seiner Abreise taucht ein Elf in seinem Zimmer auf, der behauptet, dass etwas Schreckliches in der Schule passieren wird. Als Harry sich weigert wirft der Elf einem Besucher seiner Verwandten eine Torte auf den Kopf. Das schreit nach Hausarrest für den "gestörten Bengel"!!! Doch Harry wird noch in der Selben Nacht von Ron (Rupert Grint) und dessen Zwillingsbrüdern Fred und George (Oliver und James Phelps) mittels eines fliegenden Fords befreit. Endlich bei Rons Eltern (Mark Williams und Julie Walters) angekommen scheint alles in Ordnung bis Harry und Ron am Tag der Abreise nicht zum Zug nach Hogwarts gelangen können. In Panik schnappen sie sich einfach den Ford samt Sonderausstattung und düsen Richtung Hogwarts, doch fliegen will gelernt sein. Und erst recht das Landen! So machen die Beiden nicht nur Bekanntschaft mit einer übellaunigen Weide, die nicht nur gern sämtliche Menschen im näheren Umkreis zu Mus verarbeitet, sondern auch Autos. Dem teuflischen Baum entkommen droht nicht nur der Rausschmiss, sondern Harry beginnt auch noch seltsame Stimmen zu hören, die immerzu vom Töten sprechen. Als kurz darauf auch noch die Katze des Hausmeisters versteinert aufgefunden wird geht im Schloss die Angst um. Man erzählt sich, dass einer der Gründer von Hogwarts, Salazar Slytherin, im Schloss eine geheime Kammer eingebaut hat in der ein Monster haust, dass alle Schüler töten soll, die unwürdig sind Magie auszuüben – die so genannten Schlammblüter; Zauberer ohne Magier "reinen Blutes" im Stammbaum.
Nachdem es weitere Opfer gibt und Harry aus Versehen der halben Schule demonstriert, dass er mit Schlangen sprechen kann gerät er in Verdacht das Monster auf Schüler loszulassen. Und so machen sich Harry, Ron und Hermine auf herauszufinden, was es mit der Kammer des Schreckens auf sich hat und stoßen auf eine ungeheuerliche Verschwörung.

Kritik:
Wieder führte Chris Columbus ("Kevin allein zu Haus") Regie und wieder krankt der Film an den Selben Stellen, wie schon Teil 1. Der Cast wurde dieses Mal um Kenneth Branagh, der in seiner Rolle des strohdoofen Schönlings Gilderoy Lockhart immer wieder seine Lacher wert ist, und Tom Coulson erweitert, der seine Rolle als faszinierender und dezent bösartiger Thomas Riddle hervorragend spielt. Zudem schlüpfte hier Richard Harris das letzte Mal in die Rolle des Albus Dumbledore, da er kurz nach den Dreharbeiten verstarb.

Dennoch kann der wunderbare Cast nicht darüber hinwegtäuschen, dass Columbus in Sachen Kitsch und Klamauk wieder viel zu dick aufgetragen hat. Ganz zu schweigen davon, dass sich Columbus auch dieses Mal sklavisch an die Vorlage gehalten hat. Fans erwartet von daher nicht nur Edelkitsch, sondern auch hier und da erneut uninspirierte, gepflegte Langeweile.
Neben einem überzogenen HappyEnd ist Columbus’ Problem immer noch die Düsternis der Geschichte. Das unheimliche Flair der Romanvorlage will kaum aufkommen, da sich Bonbonfarben und plüschiger Zuckerguss nur bedingt mit dem finsteren Rassismus-Kontext vertragen. Immer dann wenn der Film mal die Chance hat den ganzen, gesellschaftlichen Konflikt der Magier zu thematisieren verschwindet dieser auch schon wieder in Kitsch und Klamauk.
Eine verschenkte Chance folgt der Nächsten. Das macht auch nicht den Score von John Williams besser, der dieses Mal sogar einige wirklich tolle Themen bietet, wie etwa die Tom-Riddle-Tracks, die wunderschön unter die Haut gehen, während an anderer Stelle sich wieder Kitsch und Orchesterkrawall überlagern.
Auch die Effekte zeigen sich dieses Mal wieder von ihrer mittelprächtigen Seite. Einzig der Basilisk ist wirklich gut animiert, aber allerhand andere Kreaturen leider nicht.

So ist auch die "Kammer des Schreckens" von ernüchternder Mittelmäßigkeit durchzogen, doch sorgt der gutgelaunte Cast immerhin für das obere Mittelfeld.

6/10 Monstern

Quelle: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=399269504&blogId=472209480



HARRY POTTER UND DER GEFANGENE VON ASKABAN


Story:
Das 3. Jahr in Hogwarts offenbart nicht nur die ersten, pubertären Macken der inzwischen jugendlichen Protagonisten, sondern auch allerhand düstere Geheimnisse. Denn der wahnsinnige Massenmörder Sirius Black (genial irre; Gary Oldman) ist aus dem berüchtigtem Gefängnis von Askaban ausgebrochen. Nun streifen die furcht erregenden Wächter Asakabans, die so genannten Dementoren, über die Ländereien von Hogwarts. Der Zaubereiminister Cornelius Fudge (Robert Hardy) vermutet, dass Black auf der Suche nach Harry (Daniel Radcliffe) ist, um ihn zu töten. Auch Schulleiter Dumbledore (Sir Michael Gambon) will Harry um jeden Preis schützen, doch die finsteren Dementoren, die den Menschen die Seelen aussaugen, verfolgen ihre eigenen Pläne. Genauso wie der neue Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Remus Lupin (David Thewlis), und der grantige Zaubertranklehrer Snape (Alan Rickman). Black, Lupin und Snape verbindet ein düsteres Geheimnis, doch was hat Harry mit alldem zutun?

Kritik:
Das erste Mal wechselte der Regiestuhl seinen Besitzer. Statt Chris Columbus inszenierte der Mexikaner Alfonso Cuarón ("Y Tu Mamá También", "Children of Men") die Verfilmung des 3. Bandes. Dieser wagte nicht nur ein radikal anderes Design, sondern entfernte sich auch vom Prinzip der Buchstabenverfilmung. Cuarón, der ein eingefleischter Fan von Tim Burton und Stephen King ist, gestaltete das Setting nicht nur düsterer, sondern auch dreckiger. Der bonbonfarbene Edelkitschlook der Columbus-Verfilmungen fehlt völlig, stattdessen dominieren nüchterne Grautöne in Verbindung mit einer wahrlich faszinierenden Umsetzung der Atmosphäre der Romanvorlage. Der "Gefangene von Askaban" – nebenbei bemerkt eines meiner absoluten Lieblingsbücher – war somit keine reine Bebilderung des Romans mehr, sondern wandte sich an das Herz der Vorlage. Cuarón schafft es die düster-faszinierende Welt des Potterversums in eine phantastische Bildsprache zu übersetzen. Ebenso erlaubt er sich ein paar Späße auf Kosten von Stephen King. So ist die Spielplatzszene aus den ersten Minuten des Films nahezu identisch mit jener aus der "Friedhof der Kuscheltiere"-Verfilmung von 1974. Genauso baut er viele Szenen und Elemente ein, die zwar nicht im Roman vorkommen, aber wunderbar ins Universum passen. Da gibt es freche Schrumpfköpfe, die gern sämtliche Leute anlabern oder murrende Portraits, die es gar nicht mögen, wenn man des Nachts auf Fluren mit der Taschenlampe herumleuchtet. Auch ein wenig Shakespeare findet den Weg in den Film, denn gleich zu Beginn des Films singt der Chor von Hogwarts "Something wicked this way comes!", welches in der deutschen Synchronisation etwas unglücklich mit "Ganz gemein ist, was da kommt!" übersetzt wurde. Ein Motto, das den gesamten Film durchzieht.

Ebenso baut Cuarón viele zweideutige, kleinere Szenen ein, die wunderbar zu den pubertierenden Darstellern und Figuren passen. Hinzu kommt eine ungeahnte Menschlichkeit und wunderbare Ironie, die der Regisseur der Geschichte verpasst.
Auch die Jungdarsteller machen unter Cuaróns Regie eine erstaunliche Entwicklung durch. Allen voran Hauptdarsteller Daniel Radcliffe merkt man deutlich seine schauspielerische Entwicklung an.
Die Neuzugänge in der Riege des erwachsenen Casts sind ebenfalls nicht zu verachten. Michael Gambon ersetzt den verstorbenen Richard Harris mit Bravur und spielt seinen Dumbledore sehr augenzwinkernd. David Thewlis spielt die Rolle des Remus Lupin mit menschlicher Melancholie, dass einem das Herz ganz weich wird. So, und nun muss ich ein Geständnis machen: Als kleines David-Thewlis-Fangirl hänge ich dem Mann jedes Mal schmachtend an den Lippen, aber als Mädchen darf man das ja.
Gary Oldman spielt seinen Sirius Black herrlich irrsinnig und es ist eine wahre Freude ihn so wahnsinnig-hektisch herumhetzen zu sehen. Auch Alan Rickman ist in der Rolle des Severus Snape wieder einmal wunderbar fies. (Ab "Askaban" wir Rickman von Bernd Rumpf synchronisiert und diese Stimme IST Snape!)
Gerade das Finale lebt von der genialen Dynamik des Trios Oldman-Thewlis-Rickman und es ist einfach toll die Drei zusammen spielen zu sehen.

Für die Effekte waren auch dieses Mal wieder George Lucas’ ILM-Studios verantwortlich. Diese sind dieses Mal schlichtweg atemberaubend und wunderschön. Vor allem die Dementoren und der Hippongreif sind schlichtweg genial und sorgen immer wieder aufs Neue für Staunen. Somit wurden die Effekte 2004 nicht ohne Grund für den Oscar nominiert.
Für den Soundtrack zeigte sich wieder John Williams verantwortlich, der dieses Mal für einen wahrlich magischen Score sorgt. Auch, wenn einige der Actionsequenzen immer noch ab und an in den bekannten, williamsischen Orchesterkrach ausarten, so dominieren doch wunderschöne und melodische Themen wie "Buckbreak" oder das Lupin-Thema. Das ist ein wahrer Ohrenschmaus.

Was bleibt ist eine der besten Potterverfilmungen aller Zeiten und ein wunderschöner, aber auch düsterer Film über Schuld und Sühne.

9,5/10 Dementoren

Quelle: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=399269504&blogId=472352906



HARRY POTTER UND DER FEUERKELCH


Story:
Das 4. Jahr in Hogwarts steht vor der Tür, ebenso wie ein sportliches Großereignis: das Trimagische Turnier, in dem drei ausgewählte Schüler von drei unterschiedlichen Magierschulen (Hogwarts, Durmstrang, Beauxbatons) um den Titel kämpfen. Doch leichter gesagt als getan, denn die Magische Welt ist im Aufruhr. Gerüchte gehen um, dass der Dunkle Lord wieder an Macht gewinnt und seine Anhänger, die Todesser (Achtung! Unglückliche Übersetzung! Richtig müsste es Todesdiener heißen.), fangen wieder an Angst und Schrecken im Namen des Unnennbaren zu verbreiten.
Im Turnier müssen die ausgewählten Schulchampions gefährliche Aufgaben bewältigen, weshalb Minderjährige nicht daran teilnehmen dürfen. Dennoch gelangt während der Auswahl irgendwie Harrys Name in den Feuerkelch, der die Champions bestimmt, und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als an dem Turnier teilzunehmen. Als es jedoch zu den ersten mysteriösen Zwischenfällen kommt wird klar, dass Harrys Auswahl einer teuflischen Methodik folgt, doch wer würde wollen, dass er dieses Turnier nicht überlebt?

Kritik:
Dieses Mal übernahm der Brite Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") das Ruder, da Alfonso Cuarón anstatt des "Feuerkelchs" lieber sein Endzeitmeisterwerk "Children of Men" drehte.
Ich muss ehrlich sagen, dass bereits das Buch für mich eine ewige Hassliebe darstellte. Da gab es diese wirklich tollen, grandiosen Szenen und an anderer Stelle wäre ich am Liebsten schreiend davongerannt! So geht es mir auch mit dem Film, obwohl Newells Potterverfilmung vor allem an zwei Dingen krankt: dem Unvermögen von Drehbuchautor Steve Kloves den über 700seitigen Roman in ein Spielfilmformat zu bringen (Gerüchten zufolgen soll er das Drehbuch ganze 7 Mal geschrieben haben, wobei einige Versionen die 4-Stunden-Marke sprengten.) und die exzentrisch-bombastische Ader eines Regisseurs, der auf Teufel komm raus einen Fantasy-Actionfilm drehen wollte.
So setzt Newell den Zuschauer einer wahren Gefühlsachterbahn aus, denn Action, Humor und Dramatik folgen meist so schnell Schlag auf Schlag, dass einem als Zuschauer oft gar keine Zeit bleibt sich emotional auf eine Szene einzustellen, weil sogleich der nächste Streich folgt. Hinzu kommt eine schlecht ausbalancierte Szenengewichtung. Unwichtigem Nebensträngen und dem pubertären Liebesgeplänkel wird mehr Raum gegeben als dem Hauptplot und den entscheidenden Figuren. Das wiederum sorgt dafür, dass die in der Vorlage eigentlich nachvollziehbare Auflösung zu einer Folge "Wünsch dir was!" verkommt. Wer die Bücher nicht kennt wird es hier schwer haben der Handlung zu folgen.
Ebenfalls verpackt Newell das Potterverse in einen stylischen Edellook, wie man ihn sonst nur aus MTV-Musikvideos kennt. So wirkt der ganze Film viel zu sehr auf optischen Hochglanz poliert und vernachlässigt gleichzeitig den Inhalt der Vorlage. Man hetzt immer unter Strom von einer Szene zur Nächsten, ohne auf den Hintergrund der Geschichte einzugehen. Der "Feuerkelch" wird zum bondartigen Actionthriller. Schnell, laut, aber zuweilen leider ohne Substanz.

Das ändert auch nicht der hervorragende Cast. Neben eher unbekannten Gesichtern wie Clémence Poésy ("Brügge sehen … und sterben?"), Stanislav Ianevski ("Hostel 2"), Robert Pattinson ("Twillight") und Pedja Bjelac ("Warriors – Einsatz in Bosnien") gab es auch wieder allerhand prominenten Darstellerzuwachs wie etwa Miranda Richardson ("Sleepy Hollow"), Brendan Gleeson ("28 Days Later"), David Tennant ("Dr. Who") und Ralph Fiennes ("Schindlers Liste").
Miranda Richardson schlüpft dabei in die Rolle der herrlich nervigen Klatschreporterin Rita Kimmkorn, während Brandon Gleeson den bärbeißigen, leicht irren Alastor Moody mimt. "Dr. Who"-Star David Tennant läuft im Finale als geistesgestörter Doppelgänger zu Höchstform auf und Ralph Fiennes spielt niemand anderen als Lord Voldemort höchstpersönlich. Ah, Ralph Fiennes! Der Mann ist in der Rolle des sadistischen, größenwahnsinnigen Schwarzmagiers eine wahre Offenbarung! Es ist der helle Wahnsinn, denn sobald Fiennes das erste Mal auftritt verblassen alle anderen Darsteller sofort! Schlichtweg genial.

Effekttechnisch macht der "Feuerkelch" alles Richtig. Die toll animierten CGI-Kreaturen gehören zum Besten, was das Genre zur Zeit zu bieten hat. Vor allem der Drache und die Wassermenschen sehen schlichtweg genial aus. Ebenso wie das Set- und Productiondesign von Stuart Craig (Verantwortlich seit der "Kammer des Schreckens" 2002). Einzig die Todesser mit ihren Kuk-Klux-Klan-Zipfelmützen wirken dann doch arg wie eine randalierende Faschingstruppe und sind somit eher unfreiwillig komisch als furcht einflößend.
Der Soundtrack stammt dieses Mal von Patrick Doyle, da John Williams für "Star Wars – Episode III: Die Rache der Sith" an die Seite von George Lucas zurückkehrte. Doyles Score präsentiert sich dabei, ähnlich wie der Film, viel zu bombastisch. So wird der Zuschauer mit vollem Orchester über 150 Minuten lang zugedröhnt und bekommt kaum Zeit zum Luft holen. Film wie Soundtrack hätten da einwenig mehr Ruhe gut getan. Wirklich cool dagegen sind die Songs von Javis Crocker, der den erfrischenden Hauch von Rock’n Roll nach Hogwarts bringt.

Im Endeffekt ist der "Feuerkelch" unterhaltsames Popcornkino mit einigen Macken. Dafür entschädigt jedoch der hochkarätige Cast.

7/10 Möchtegernweltbeherrschern

Quelle: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=399269504&blogId=472390897



HARRY POTTER UND DER ORDEN DES PHÖNIX


Story:
Lord Voldemort (Ralph Fiennes) ist zurück! Harry Potter (Daniel Radcliffe), der als Einziger von dessen Wiedergeburt berichten kann, wird vom korrupten und machhungrigen Zaubereiminister Corelius Fudge (Robert Hardy) mundtot gemacht und als Lügner dargestellt. Schließlich will das Ministerium auch Schulrektor Dumbledore (Michael Gambon) entmachten, da dieser an Harrys Version der Geschichte glaubt, und hetzt ihm die sadistische Ministeriumsbeobachterin Dolores Umbridge (Imelda Staunton) auf den Hals. Diese gewinnt mit der Zeit die Kontrolle über die gesamte Schule und errichtet dort eine unerbittliche, beinahe schon faschistische Diktatur. Doch Umbridge ist nicht das einzige Problem, denn neben den Hormonen der pubertierenden Magier ist auch der Dunkle Lord nicht untätig. Er plant seinen erneuten Aufstieg an die Macht und quält Harry mit psychotischen Visionen. Dieser kann schon bald nicht mehr zwischen Realität und Einbildung unterscheiden und läuft blindlings in eine tödliche Falle.

Kritik:
Eines vorweg: Der "Orden des Phönix" ist nicht nur einer der umstrittensten und längsten Teile der Fantasy-Reihe (und einer meiner absoluten Favoriten in der Top 3 der besten Potterbände), sondern in der Filmform auch ein waghalsiges Experiment. Die Produzenten David Heyman und David Barron sind bekannt dafür, dass sie für die Potter-Verfilmungen seit jeher eher unbekannte Independentregisseure anheuerten. Dieses Mal gingen sie sogar noch einen Schritt weiter, denn für den rund 150 Millionen Dollar teuren Streifen engagierten sie den weitgehend unbekannten TV-Regisseur David Yates ("The State of Play", "Sex Traffic") für den der "Orden des Phönix" Kino- und Hollywooddebüt zugleich war.
Ebenso wurde das Skript nun von Michael Goldenberg ("Contact", "Peter Pan") und nicht mehr von Steve Kloves geschrieben, der sich nach dem drehbuchtechnischen "Feuerkelch"-Debakel vorerst vom Potterverse verabschiedete.
David Yates – wegen seiner TV-Herkunft im Fandom von vornherein verschrien – liefte hier die wohl mutigste, beste und intelligenteste Verfilmung des Romanstoffs.
An dieser Stelle erst einmal die schlechte Nachricht für alle Buchfanatiker: Yates und Goldenberg kürzten das über 1000seitige, literarische Monster Rowlings auf das absolut Wichtigste. D.h. die gefühlten 10.000 Nebenhandlungen der Romanvorlage fehlen, doch das sorgt dafür, dass der Film in seinen rund 133 Minuten nie langweilig wird.

Wie schon in Cuaróns Verfilmung des "Gefangenen von Askaban" legte auch David Yates viel wert auf Doppeldeutigkeiten und einen gewissen Interpretationsfreiraum. Zudem beherrscht es Yates die Ironie und Düsternis von Potter einzufangen wie kaum ein zweiter Regisseur! So ist ab der ersten Minute die beklemmende Ausweglosigkeit der Vorlage fast schon physisch zu spüren. Die Bilder sind düster, ja, beinah schon farblos. Wenn sich die Farbe dann doch einmal in den Film schleicht, dann kann man davon ausgehen, dass diese auch eine hintergründige Bedeutung hat. So sticht die Figur der Dolores Umbridge von Anfang an durch ihre rosa bis pinken Kleider ins Auge. Wer den Film genau beobachtet wird bemerken, dass Umbridge immer pinker wird je mehr Macht sie gewinnt. Ist sie anfangs noch in zartes Rosa gekleidet so ätzt einem ihr greller Pinkton im Finale förmlich die Netzhaut weg! Insgesamt lässt einem Yates die Macht der Bilder in jeder Sekunde spüren – auch dank der überwältigenden Arbeit von Kameramann Slawomir Idziak ("Black Hawk Down", "King Arthur") – und überflutet den Zuschauer mit einen facettenreichen Bilderrausch. Mal ironisch, mal wunderschön, mal magisch, mal metaphorisch oder gar psychedelisch-verstörend. Ebenso im Rausch der Bilder enthalten sind Dinge, die auf den ersten Blick gar nicht so recht zu "Harry Potter" passen wollen. So wird ein Teil des Finales in intensiver, potteruntypischer, wackliger Handkameraperspektive gezeigt. Zudem ist die Kamera immer sehr nah an den Charakteren. Distanzierte Perspektiven wie in Cuaróns "Askaban"-Verfilmung werden sich dagegen kaum finden lassen. Deshalb spürt man diese Nähe auch regelrecht. Man ist einfach IN der Geschichte! Das hervorragende Spiel mit den Bildern ist einfach eine der großen Stärken des "Orden des Phönix". Doch der Film ist kein auf optische Brillanz ausgelegter Blockbuster a la "300", denn auch inhaltlich bietet sich einiges.
So wagte es Yates als erster Regisseur die Chronologie der Geschichte für die filmische Dramaturgie weitgehend zu verändern. Wichtige Ereignisse finden jetzt nicht nur in einem anderen, zeitlichen Rahmen statt, sondern auch die Gewichtung der Figuren verläuft einwenig anders. David Yates – im Übrigen, bekennender Potterianer – sieht den Film nicht als Geschichte für sich selbst, sondern als Einheit eines größeren Ganzen. So werden nicht nur in Harrys Alptraumsequenzen immer wieder Szenen aus vergangenen Verfilmungen verwendet, um den Gesamtbezug herzustellen, sondern die Wichtigkeit der zu sehenden Figuren mit ihrer endgültigen Bedeutsamkeit in den Büchern in Einklang gebracht. Neville-Fans wird’s freuen.
Auch hat Yates "Harry Potter" als das erkannt, was es ist: Nicht nur eine unterhaltsame Fantasy-Geschichte, sondern durchaus Stoff mit aktueller, sozial-politischer Brisanz. Ähnlich wie im Roman wandert z.b. die Darstellung des Zaubereiministeriums zwischen gehässiger Politsatire und kritischer Auseinandersetzung mit der Einschränkung persönlicher Freiheiten zur Erhaltung der vermeintlichen Sicherheit.

Ebenfalls ungewöhnlich ist Yates’ Umgang mit der Musik in seinem Film. Diese wird von ihm überwiegend subtil eingesetzt und im finalen Kampf Dumbledore versus Lord Voldemort fehlt sie gar völlig! Ein gewagtes Experiment. Wo in den Vorgängern noch das Orchester lärmte herrscht hier völlige Ruhe. Das sorgt dafür, dass der Kampf zwischen den beiden, großen Erzmagiern eine unglaubliche Intensität gewinnt, die den Zuschauer förmlich in den Kinosessel drückt.
Der "Orden des Phönix" hat seine Genialität aber nicht bloß David Yates zu verdanken, sondern auch dem großartigen Cast. Die wichtigsten Neuzugänge sind dabei Imelda Staunton und Helena Bonham Carter ("Fight Club", "Sweeney Todd"). Staunton spielt ihre Dolores Umbridge als bösartigen Drachen, der sich im pinken Zuckerguss versteckt. Der subtile Sadismus der Figur und ihre phänomenale Darstellung dieser hinterhältigen, nach Macht strebenden Bürokratin garantieren dabei, dass man Umbridge hier ebenso bedingungslos hassen kann wie in der Romanvorlage.
Helena Bonham Carter hingegen gibt der Figur der wahnsinnigen Bellatrix Lestrange ein ebenso irres Debüt. Fanatisch und geisteskrank ist Bellatrix und Carter schafft es auf beeindruckende Weise in nur wenigen Szenen dieses Gestörte wahrhaftig werden zu lassen.
Auch nicht verachten ist die Entwicklung der Jungdarsteller: Gerade Daniel Radcliffe entfaltet ein ungeahntes Potential. Es sind vor allem Harrys düstere Augenblicke, die er genial herüber bringt. Ganz zu schweigen von der Besessenheitsszene in der sich Harry unter Krämpfen gegen Voldemorts Geist wehrt sind absoluter Wahnsinn! Und es beweist: Daniel Radcliffe ist ein absolut begnadeter Schauspieler, wenn man ihn denn nur spielen lässt!
Evanna Lynch, die im Film in die Rolle von Luna Lovegood schlüpft, spielt ebenfalls überzeugend. Ob man die verträumte, manchmal reichlich schrullige Luna nun mag ist da wohl Geschmackssache, doch Lynch bringt ihre Figur einfach herrlich rüber.
Und nun komme ich zu einem der besten Darsteller des ganzen Films, der in einigen Szenen dem restlichen Cast beinah die Show stielt: Alan Rickman! Wie er hier seinen verkrampften und cholerischen Severus Snape spielt ist ein wahrer Traum. Vor allem die Dynamik zwischen Rickman und Radcliffe sorgt für offene Münder. Die Luft ist voller spürbarer Aggressivität, wenn Harry und Snape während des Okklumentikunterrichts aufeinander treffen. Es ist eine der wohl emotionalsten Höhepunkte in der gesamten Reihe, wenn Harry sich während seiner aufgezwungenen Übungsstunden schließlich gegen seinen verhassten Zaubertranklehrer zur Wehr setzt.
"Wir sind jetzt seit Stunden hier! Ich brauche eine Pause!"
"Der Dunkle Lord ruht sich auch nicht aus!" Snape versperrt Harry den Weg. "Sie sind genau wie ihr Vater! Arrogant! Faul!"
"Mein Vater war ein großer Mann!", widerspricht Harry und Snape packt ihn wütend am Kragen und schleudert ihn auf einen Stuhl.
"IHR VATER WAR EIN SCHWEIN!"
Eine schlichtweg grandiose Szene.

Das Productiondesign und die Effekte des Films sind ebenso großartig, wie der Rest.
Stuart Craigs Setdesign erreicht zudem im "Orden des Phönix" einen erneuten Höhepunkt. Vor allem das Set des Zaubereiministeriums ist einfach nur überwältigend.
Zudem gibt es gute Nachrichten für alle, die das Design der Todesser im "Feuerkelch" grauenvoll fanden. Die trashigen Kuk-Klux-Klan-Imitate weichen hier einer düsteren und edlen, viktorianischen Variante, die mysteriös und beängstigend zugleich wirkt.
Die Effektmagier von ILM zaubern grandiose CGI-Bilder auf die Leinwand. Zudem gibt es hier das erste Mal auch Schauplätze, wie den Raum der Prophezeiungen, die zu 100 Prozent per Computer generiert sind. Überwältigend ist, dass CGI-Kreaturen wie die Thestrale unglaublich Lebensecht erscheinen und der Film hier auf den Spuren von Gollum wandert. Einzig dem Riesen Grawp sieht man dann doch seine Künstlichkeit an. Davon abgesehen erwartet einem hier CGI vom feinsten.
Auch der Score von Yates' Stammkomponist Nicholas Hooper setzt Akzente. Er kopiert nicht einfach Williams oder Doyle, sondern erschafft einen sehr eigenständigen, wunderschönen Soundtrack mit Gänsehautgarantie.

"Harry Potter und der Orden des Phönix" ist DER Potterfilm auf den man über Jahre hinweg vergeblich gewartet hat! Eine absolut geniale Verfilmung eines als unverfilmbar geltenden Romans, der optisch wie inhaltlich eine wahre Wundertüte ist!
Da freut es natürlich, dass David Yates auch die Verfilmungen von "Harry Potter und der Halbblutprinz" (Kinostart: 17.07.2009) und "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" (der als Zweiteiler gedreht wird) übernehmen wird!

Danke, David, du bist der Größte!

10/10 Monstern in Pink

Quelle: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=399269504&blogId=473066709



Link zu diesem Beitrag für Foren, E-Mails und Messenger:



Beiträge aus der selben Kategorie

Kommentare zu dem Beitrag
JJ schreibt vom 01.07.2009 21:38
sehr sehr cool :-).
Eine Zusammenfassung aller 5 Harry Potter Teile ist wahrlich praktisch ...

Herzlichen Dank

Kommentar hinzufügen
Username: *
Kommentar:
Spam-Schutz: 1+8+3 =
* Der Username kann frei gewählt werden.

Empfehlungen

25.01.2012

24.01.2012

14.01.2012

11.12.2011

16.11.2011

15.11.2011

15.11.2011

04.11.2011

Das Beste der Woche

Tops des Monats

103 Aufrufe

93 Aufrufe

66 Aufrufe

56 Aufrufe

36 Aufrufe